Der Ablauf einer Privatinsolvenz in 5 Schritten

von Tino Richter am 24. November 2015

Vielen Menschen ist der genaue Ablauf einer Privatinsolvenz nicht bekannt, denn die Privatinsolvenz als solche gibt es noch nicht lang. Bis 1999 galt in Deutschland die Konkursordnung und gemäß dieser Ordnung mussten Schuldner bis zu 30 Jahre abwarten, bis ihre Schulden komplett bereinigt wurden. Seit der Einführung der Privatinsolvenz haben Schuldner die Möglichkeit, ihre Schulden in deutlich kürzerer Zeit zu bereinigen. Nach dem altem Insolvenzrecht dauerte es sechs Jahre, nach dem neuem Insolvenzrecht kann der Schuldner – unter bestimmten Voraussetzungen – seine Schulden bereits nach fünf oder sogar drei Jahren loswerden.

Der Ablauf einer Privatinsolvenz in fünf Schritten

Ablauf einer Privatinsolvenz

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1. Schritt: Der außergerichtlicher Einigungsversuch

Der außergerichtliche Einigungsversuch mit den Gläubigern ist der erste Schritt im Ablauf einer Privatinsolvenz. Ohne den außergerichtlichen Einigungsversuch kann der Antrag auf die Privatinsolvenz nicht eingereicht werden. Wenn der Schuldenberg relativ klein ist, dann ist eine außergerichtliche Einigung wahrscheinlich. Scheitert der Versuch, eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen, folgt Schritt 2.

2. Schritt: Der gerichtlicher Einigungsversuch

Der gerichtliche Einigungsversuch folgt im Ablauf einer Privatinsolvenz an zweiter Stelle. Erst, wenn der außergerichtliche Einigungsversuch gescheitert ist, kann der Schuldner das Verbraucherinsolvenzverfahren beim Gericht beantragen. Beim Insolvenzgericht sind die folgenden Unterlagen einzureichen:

  • Eine Bescheinigung vom Schuldnerberater über das Scheitern des außergerichtlichen Einigungsversuchs
  • Den offiziellen Antrag auf eine Restschuldbefreiung
  • Eine genaue Übersicht über das Vermögen
  • Eine Auflistung aller Gläubiger
  • Ein Schuldnerbereinigungsplan, der zB. mit Hilfe Ihres Schuldnerberaters erstellt wird

3. Schritt: Das vereinfachtes Insolvenzverfahren

Scheitert auch der gerichtliche Einigungsversuch, wird das einfache Insolvenzverfahren angewendet: Es wird ein Treuhänder, an den der Schuldner den pfändbaren Teil seines zukünftigen Einkommens abgibt. Der Treuhänder verteilt das Vermögen des Schuldners (nach Abzug der Verfahrenskosten) an die Gläubiger. In dieser Phase stellt der Schuldner den Antrag auf Restschuldbefreiung. Die Restschuldbefreiung sieht vor, dass nach Ablauf einer bestimmten Zeitdauer von entweder sechs, fünf oder drei Jahren die bis dahin verbliebenen Schulden erlassen werden.

4. Schritt: Die Wohlverhaltensphase

Wenn im vereinfachten Insolvenzvefahren der Restschuldbefreiung zugestimmt wurde, kommt es im nächsten Schritt zur Wohlverhaltensphase. Während der Wohlverhaltensphase muss der Schuldner eine Reihe von Auflagen erfüllen. Er muss z.B. alle nötigen Anstrengungen unternehmen, um einer Erwerbstätigkeit nach zu gehen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Wohlverhaltensphase ist die Auskunftspflicht: Ein Wechsel des Arbeitgebers oder ein Umzug müssen umgehend dem Treuhänder und dem Insolvenzgericht gemeldet werden. In der Wohlverhaltensphase darf der Schuldner nur soviel Geld aus seinem Einkommen behalten, wie er zur Absicherung seines Existenzminimums benötigt.

 5. Schritt: Die Restschuldbefreiung

Am Ende der Wohlverhaltensphase folgt die Restschuldbefreiung. Alle noch offenen Forderungen der Gläubiger werden dem Schuldner zu diesem Zeitpunkt erlassen; die Gläubiger haben keinen Anspruch mehr auf Forderungen aus der Vergangenheit. Der Schuldner ist nach Ablauf einer Privatinsolvenz wieder schuldenfrei und darf  wieder frei über sein gesamtes Einkommen verfügen!

Wenn Sie Schulden haben und Hilfe benötigen, rufen Sie uns an unter 0871/20667928. Wir helfen Ihnen gern!

 

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